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Drei Rassen sind zu sehen, von links nach rechts eine grüne Klant, ein Ruah und eine katzenartige Ailure.

Man kann bei der Erschaffung einer Welt an vielen Stellen einen Anfang finden. Beispielsweise bei der Welt im eigentlichen Sinne, ihren Kontinenten und Ländern, oder bei der Magie, in der Schöpfungsgeschichte, bei den Völkern und Rassen. Besonders Letzteres ist ein schönes Beispiel dafür, wie verschieden der Begriff Fantasie bzw. Fantasy verstanden werden kann. Und vor allem wie dies dazu führt, dass Fantasy eben nicht gleich Fantasy ist. Aber zurück zum Anfang.

Klassische Fantasy, klassische Rassen

Stellt man sich eine komplett neue Welt vor, beispielsweise für einen Roman im Fantasy-Genre oder ein Rollenspiel, möchten die meisten natürlich auch kreativ sein und neue Elemente kreieren. Die Verbindung zwischen Fantasie und Kreativität liegt spätestens in der Vorstellungkraft, die benötigt wird um eine solche Welt erschaffen zu können. Betrachtet man nun allerdings die Fantasy-Literatur stellt man rasch fest, dass besonders Völker und Rassen wenig Vorstellungskraft benötigen. Elfen, Zwerge, Menschen und Orks gehören zu den absolut traditionellsten Vertretern dieses Genres und das nicht erst seit Tolkien. Auch die größten Vertreter der P&P-Rollenspielen bedienen sich solcher Elemente. Selbst ausgefallene Systeme wie Engel bedienen sich immer noch Kreaturen, die man nicht unbedingt als kreatives Opus bezeichnen würden. Bezeichnen wir die klassische Fantasy-Literatur damit als unkreativ? Nein, sicherlich nicht.

Das Für und Wider

Die Verwendung traditioneller Völker und Rassen im Fantasy-Genre hat gleich zwei gute Gründe. Der erste liegt vermutlich im Ursprung dieser Rassen. Elfen, Zwerge und Menschen sind klassische Elemente der Märchen, die ihre Heimat auch in Deutschland finden. Auch Tolkiens Werke gehören mittlerweile zur klassischen Literatur und sind umgeben von einer gewissen Mystik vergangener Tage. Aber das ist sicherlich nicht die Motivation hinter Autoren klassischer Fantasy. Wie bereits angemerkt, steht zwischen Fantasy und Kreativität die Vorstellungskraft. Wenn ein Autor von einem Elfen erzählt, der sich mithilfe seines Bogens gegen einen Ork zur Wehr setzt, hat jeder Leser gleich ein Bild im Kopf und stellt sich höchstens die Frage: “Ist der Elf jetzt Matsch?”. Jetzt stellen wir uns vor, ein Autor schreibt von einer Ruah, die mithilfe ihres Phylakteriums einen Alben niederstreckt. Wie viel können Sie sich dann vorstellen? Nicht viel, vermutlich, wenn Sie Die vergessenen Chroniken nicht gelesen haben. Elfen, Zwerge, Orks und ähnliche Völker ins Spiel zu bringen und sich darauf zu berufen hat den gravierenden Vorteil, dass der Leser sich sogleich einfühlen kann. Nahezu ein Luxus, der weder Autoren noch Lesern häufig so bewusstwird.

Einen Schritt weiter gehen

Beim Schreiben des Systems Die vergessenen Chroniken sind wir immer wieder auf das Problem gestoßen, dass wir nicht davon ausgehen durften, dass Leser sofort wissen, was eine Ruah, ein Ailure, ein Lumbré und desgleichen sind. Hilfreich ist es also, mit klaren, visuell beschreibenden Adjektiven zu arbeiten. Natürlich denkt man bei Ailure dann an “den katzenartigen Händler”. Wiederholt man dies häufig, gewöhnen sich auch Leser an das neue Vokabular ohne es zu merken. Schwieriger ist es wieder bei Okandara, die keiner Tierart angehören. Dennoch verfügen sie über eindeutige Merkmale. Beispielsweise ihre krankhafte Blässe, ihre wurzelartigen Maserungen auf der Haut, die tiefschwarzen Augen und heiseren Stimmen.

Erste Ideen

Aber woher nimmt man Namen für solche Geschöpfe? Auch hier ist es bei Tierarten einfacher, wenn man bei Ailuren den Namen dem Lateinischen entlehnen kann. Wie nennt man aber eine geisterhafte Rasse, die aus dem Jenseits ins Leben steigt, statt umgekehrt? Das Rudah, eine von zwei Arten des Jenseits in Die vergessenen Chroniken, könnte hier die Vorlage sein. Schließlich kann man sich auch immer fragen “Wer innerhalb der Welt hat dieser Rasse zuerst den Namen gegeben? Welche Sprache sprechen sie? Was verbanden sie mit dieser Rasse wohl beim Erstkontakt?” In diesem Fall passte das Rudah sehr gut, denn es war den Menschen Verej’kas bekannt, sie wussten, dass die geisterhaften Wesen dem entspringen und nannten sie, nach einer Lautverschiebung, einfach Ruah. So und so ähnlich kann man vorgehen, wenn man nicht nur authentisch schreiben möchte, sondern Details für die Welt erschaffen will. Stellen Sie sich immer mal wieder die Frage “Warum?” und beantworten diese. Das erweitert die Welt und macht sie schlüssig. Dabei reicht es nicht zu fragen „Warum heißen die Ruah so?“, sondern hinterfragen sich als Autor „Warum finde ich das gut?“. Die Antwort hierauf sollte nicht lauten, weil es Ihnen gefällt.

Auch bezüglich der Kultur einer Rasse kann man vergleichbar vorgehen. “Woher kommt die Rasse? Was sind ihre ethnischen Merkmale? Was isst sie, wo lebt sie und welche Bedürfnisse sind ihr wichtig?”. All diese Fragen müssen Sie für sich selbst klären um an Authentizität beim Schreiben zu gewinnen. Sie müssen nicht all das in Ihre Texte verfassen, denn wenn Leser sich dies selbstständig erschließen können, schenken Sie ihnen auch noch, dass ein oder andere “Aha!”-Erlebnis.

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